https://editor.p5js.org/brucexxxbanner/sketches/GkRYEiXoj

Das Experiment mit der Klangplatte
Das Experiment wird mit einer Klangplatte durchgeführt. Meist nimmt man eine dünne, ebene Platte aus Metall. Diese Platte wird zum Beispiel auf einen Lautsprecher gelegt oder mit einem Geigenbogen an einer Kante angestrichen. Oft streut man vorher feinen Sand, Salz oder kleine Körnchen gleichmäßig auf die Platte. Wenn die Platte nun in Schwingung versetzt wird, also zum Klingen gebracht wird, beginnen die Sandkörner zu hüpfen. Sie sammeln sich nicht mehr gleichmäßig verteilt, sondern bilden faszinierende, starre Muster aus Linien und Figuren. Diese Muster werden Chladni-Figuren genannt.
Das Experiment wurde im späten 18. Jahrhundert von dem deutschen Physiker und Musiker Ernst Florens Friedrich Chladni durchgeführt und bekannt gemacht. Er gilt daher als der „Vater der Akustik“. Seine Versuche mit den Klangplatten waren bahnbrechend, weil sie zeigten, dass man Schwingungen und Töne sichtbar machen kann.
Wie die Chladni-Muster entstehen
Die Muster entstehen durch die unsichtbaren Schwingungen der Platte. Wenn die Platte erklingt, schwingt sie nicht überall gleich. Es gibt Bereiche, die stark hin und her bewegen – diese nennt man Schwingungsbäuche. Und es gibt Linien, die ganz still stehen – das sind die Schwingungsknoten. Der Sand auf der Platte wird von den stark bewegten Bereichen weggeschleudert. Er kommt zur Ruhe und sammelt sich genau dort, wo sich die Platte nicht bewegt, also auf den Knotenlinien. Je nach Tonhöhe, also je nach Frequenz, mit der die Platte angeregt wird, entstehen ganz unterschiedliche Muster. Ein tiefer Ton erzeugt ein einfaches Muster, ein hoher Ton ein sehr komplexes, feines Muster.
Was man anhand der Chladni-Muster erkennen kann
Anhand der Muster kann man direkt ablesen, wie ein Material auf unterschiedliche Schwingungen reagiert. Sie machen die stehenden Wellen auf einer Fläche sichtbar. Man erkennt, wie die Form und das Material der Platte die Schwingungen beeinflussen. Die Muster zeigen die unsichtbare Struktur des Klangs. Sie sind wie ein Fingerabdruck für jeden einzelnen Ton auf dieser speziellen Platte. Zudem kann man sehen, dass Ordnung aus Chaos entstehen kann – aus dem gleichmäßig verteilten Sand bilden sich plötzlich klare, geometrische Formen.
Bezug zur Gestaltung: Form, Architektur und Komposition
Die Chladni-Figuren haben eine starke Verbindung zur Gestaltung. Für die Formgestaltung sind sie eine Fundgrube natürlicher, organischer Muster. Designer können sich von diesen zufällig-geometrischen Strukturen inspirieren lassen, etwa für Textilien, Oberflächen oder Möbel. Die Muster sind ästhetisch ansprechend und folgen doch strengen physikalischen Gesetzen.
In der Architektur kann das Prinzip helfen, die Schwingungseigenschaften von Materialien und Formen zu verstehen. Wenn man weiß, wie Flächen schwingen, kann man Bauwerke oder Konzerthallen so gestalten, dass sie bestimmte akustische Eigenschaften haben. Die Muster zeigen, wie Form und Resonanz zusammenhängen.
Für die Komposition von Musik bieten die Chladni-Figuren eine Brücke zwischen Klang und Bild. Ein Komponist könnte sich ein Muster ansehen und versuchen, den dazugehörigen Klang zu „hören“ oder umgekehrt einen Klang in eine visuelle Form übersetzen. Es ist eine direkte Darstellung von Frequenz und Harmonie. Man kann aus diesen Experimenten ableiten, dass Klang eine innere geometrische Struktur besitzt, die sich in der materiellen Welt abbildet.https://emergence.turboflip.de/wp-admin/media-upload.php?post_id=1&type=image&TB_iframe=1